Auf der Rückseite

Natalie Hami ist Journalistin und lebt in Nikosia, Zypern*. Als Tochter eines türkisch-zypriotischen Vaters wuchs sie in Potamia auf, einem der letzten Dörfer Zyperns, in dem nach wie vor griechisch-zypriotische und türkisch-zypriotische Menschen zusammenleben. Auf ihrem Blog my Cyprus, my Κύπρος, my Kıbrıs beschäftigt sie sich mit der Teilung und Wiedervereinigung Zyperns und vor allem mit der Frage nach Identität – ihrer eigenen als auch die derer, die als Teil verschiedener Communities in Zypern leben.

Wir haben über Identität, die Corona-Pandemie und ihre Folgen, Verantwortung, Politik und das Leben verschiedener Communities in Zypern gesprochen.

*Zypern ist seit 1974 ein geteiltes Land. Der Süden, bezeichnet als Republik Zypern, umfasst völkerrechtlich weiterhin die ganze Insel. Der Norden bezeichnet sich als türkische Republik Nordzypern, die als Land lediglich von der Türkei anerkannt wird. Seit der Trennung leben im Süden des Landes überwiegend griechische Zyprioten, die Amtssprache ist griechisch, während im türkischsprachigen Norden türkische Zyprioten leben. Die Grenze beider Staaten verläuft auch durch die Hauptstadt Nikosia, die damit die letzte geteilte Hauptstadt der Welt bleibt. Verschiedene Pläne, das Land wieder zu vereinigen, scheiterten bisher – wie zuletzt 2017. Seitdem gibt es wenig Berührungs- und Begegnungspunkte zwischen beiden Seiten, was einer Wiedervereinigung – neben politischen Aspekten – zusätzlich im Wege steht.

Für mehr Informationen zur Thematik empfehle ich Natalies Blog.

Frei fallend rückseitig laut aufgeknallt.
Von oben den Boden schon lange erahnt,
aber bis der Aufprall letztendlich kam
dauerte es noch lang.
Und es hallt.
Und es hallt.
Und es hallt.
Das Echo des Aufpralls für viele seit Jahren.
Für mich erst eine Weile.

Finger malen leise
Zukunftsskizzen auf Beton.
Stimme schreien sich heiser
beim Erklären einer Vision.

Was lange hofft, wird langsam schwer.
Und lässt sich nicht mehr tragen.
Es beginnt mit einem Muskelkater
und endet oft mit Narben.

Vielleicht ist das das Los der Nichthoffenden:
Absolute Schmerzfreiheit.
Weil wegsehen auch irgendwie hilft.
Weil sich Ignoranz auch gern wie Frieden anfühlt.
Leere Seiten beim Starren auf den Bildschirm,
die vor den Augen verschwimmen,
das Rauschen im Kopf,
das den Lärmpegel nimmt.
Der Blick auf Auto, Haus und den nächsten Urlaub,
die Apathie,
die Gleichgültigkeit.
Vielleicht ist das das Los der Nichthoffenden.

Das der Hoffenden bleibt dagegen
das Ringen um Worte,
auf Tastaturen, Plakaten,
in Radiosendungen und TV-Beiträgen,
der Versuch einer Begegnung,
das Stemmen gegen Stahltore,
bis sich die Füße in den Boden drücken.
Wunde Hände und aufgeschlagene Knie.
Das Benennen einer Identität,
die sich größer definiert, als bisher deklariert.
Das Mühselige.
Das heiser werden.
Das sich erschöpfen.

Die Wiederholung dessen.

Ich habe mich umgedreht.
Für eine kurze Weile.
Und warte,
noch im Winterschlaf,
auf offenere Zeiten.

Und wenn
in ein paar Wochen
der Frühling wieder kommt
packe ich wieder meinen Rucksack
und  bearbeite Beton.

3 Kommentare zu „Auf der Rückseite

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